Samstag, 28. Juli 2018

ThErApiEgeScHäDigT

Schieflage? Na und!
Inzwischen dürfte es sich ja herumgesprochen haben, dass ich Chronische Schmerzen und eine Depression habe. Ich verschone dich mit Einzelheiten. Meine Therapieliste umfasst mittlerweile ca. 40-50 verschiedene Therapieformen, die ich in den letzten Jahren alle ernsthaft ausprobiert habe, in der Hoffnung und im Glauben, dass ich wieder "normal" werde. 

Angefangen bei Physiotherapie, über alternative Therapien, wie Osteopathie, Rolfing etc... bis hin zu Langzeitpsychotherapie... Ich erspare dir Einzelheiten. Die Liste ist endlos lang. Und bitte keine weiteren Vorschläge!
Inzwischen betrachte ich mich als THERAPIEGESCHÄDIGT. :(
Wenn man ständig an sich herumtherapiert, kommt man irgendwann an den Punkt, an dem man sich WIRKLICH für gestört hält. Ständig ist da dieses Gefühl, irgendwie nicht in Ordnung zu sein, verbesserungswürdig zu sein, "es" nicht geschafft zu haben usw... An diesem Punkt angekommen, sollte man meiner Meinung nach schleunigst alle Therapeuten oder solche, die sich dafür halten, verscheuchen! 

Vor allem wirst du durch all das Forschen und all die Achtsamkeit nicht nur zu deinem eigenen "Wachhund", nein, du kriegst auf einmal auch alles Mögliche von den anderen mit! Als würde der eigene Albtraum nicht schon reichen! 


NO MORE THERAPY!!!

Nach allem, was ich da in den letzten Jahren diesbezüglich durchgemacht habe, ist es weiß Gott, kein Wunder, dass ich erschöpft bin und keine Kraft mehr habe.

Hey! Ich kann einfach gerade nicht "erwerbsfähig" sein. Nur weil ich nicht erwerbsfähig bin, heißt das noch lange nicht, dass ich von der Depression niedergedrückt, gesenkten Hauptes in Sack und Asche herumlaufen muss. Aber das passt offenbar nicht in das Glaubenssystem dieser Gesellschaft. Wenn du nicht arbeiten kannst, hast du gefälligst weder gut drauf zu sein, noch so zu tun als ob. 
Schluck deine Pillen und gut is! 

Ich habe keine Lust mehr, mich auf meine angeblichen eigenen Unzulänglichkeiten zu konzentrieren, ständig um mich selbst zu kreiseln. Und wenn ich mir anschaue, was diese Gesellschaft so alles für "normal" hält, frage ich mich sowieso, warum eigentlich ICH die Therapie mache. 

Wirklich, es reicht. 

Ich möchte einfach nur SEIN dürfen, wie ich nun mal bin, ohne mich vor jemandem dafür rechtfertigen oder verbiegen zu müssen.

Aber gewissen Behörden genügt es nicht, wenn ICH über mein Befinden berichte. Sie fragen lieber die "Experten", beziehen sich lieber auf irgendwelche Arztbriefe und glauben den Ärzten, die mich im Grunde kaum kennen. Entscheidung nach Aktenlage. Indirekt werde ich damit der Lüge bezichtigt! Warum werde ICH nicht nach meinem Befinden gefragt? Ich mein, der Experte, was mich betrifft, das bin doch wohl ICH!
Wenn mich jemand kennt, dann bin ICH das wohl! Warum fragen die also nicht die Person, die 24/7 mit mir zusammen lebt?!

Ernsthaft!


© Text und Bild: Petra Illenseer

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