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Dienstag, 30. April 2019

Nase voll?

Ich hab die Nase voll... 
Vielleicht ist das ja auch der wahre Grund für meinen Schnupfen. ;-) 

Ich hab die Nase nämlich gestrichen voll, von all den unzähligen Erklärversuchen, warum Dies und nicht Jenes passiert, warum es Krankheit gibt usw...

Fragst du einen christlich konditionierten Menschen, warum es zu Krankheit kommt, wird er dir sagen, dass dies so eine Art Strafe Gottes sei. Wahrscheinlich bist du ein schlechter Mensch, hast zu wenig, falsch oder gar nicht gebetet. Kein Wunder also... 


Fragst du einen Hindu, wird er dir die Gesetze des Karma um die Ohren hauen. 
Auch der Buddhist wird dir genau sagen können, woher das Leiden kommt. 
Die Vedantisten oder die Yogis haben auch eine ganze Wissenschaft daraus gebastelt, wieso Krankheiten entstehen. 
Was die Islamisten und alle anderen sagen, will man dann gar nicht mehr wissen...  

Es ist die Psyche, die Psyche ist an allem schuld... 

Fragst du einen Psychotherapeuten, findet er überraschenderweise irgendwas, was in deiner Kindheit schief gelaufen ist. Jahrelanger Seelenstriptease lässt dich das herausfinden. Und schuld ist sowieso immer Mutter. Hätten wir das also auch geklärt. 

Fragst du einen Astrologen, findet er heraus, dass wohl eine ungünstige Sternenkonstellation dafür verantwortlich ist, dass du eine Krankheit hast. Kannst du nur auf die Gunst der Sterne hoffen. 

Fragst du einen körperorientierten Therapeuten, sagt er dir vermutlich, dass du zu wenig mit deiner Wut in Kontakt bist. Du musst deine Wut ausagieren... Schreien, brüllen... Whatever... 


Fragst du den Tantriker, ist er natürlich der Meinung, dass du zu wenig Körperkontakt hättest, oder dass irgendwas mit deiner Sexualität nicht stimmt. 

Der Physiotherapeut kann dir dann genau sagen, welche Muskeln zu wenig trainiert sind und welche hingegen zu viel... oder so. Und überhaupt die Faszien, die Faszien!!! Und ach, der Beckenschiefstand... Da gibt´s doch tolle Übungen! Ja gibt´s! Ich kann euch alle zeigen, wenn ihr wollt. 


Ach ja und dehnen musste, DEEEHNEN... die Muskeln. Dehnen ist das Zauberwort. Und Faszientraining... Klar. Aber schon die "richtigen" Übungen... sonst machste alles nur noch mehr kaputt. 
Der Zahnarzt sagt dir dann vermutlich, dass überhaupt die Zähne am ganzen Elend schuld sind. Oder der "schiefe Aufbiss"... Da könne man ja was machen. 


Der nächste Therapeut kann dir genau sagen, wie du herausfinden kannst, was bereits im Mutterleib mit dir schiefgegangen ist. 

Noch besser: Der Reinkarnationstherapeut! ... Da findest du dann vielleicht heraus, in welchem deiner Vorleben du quasi den Samen für deine Krankheit gesät hast. Also quasi, weil irgend so ein Kunibert vor Urzeiten mal ein "Widerporst" war, kriegt eine Petra in diesem Leben die Rechnung dafür, weil sie in einem Vorleben mal dieser böse Josef war... Äh, wie jetz? 
Ah ja. *haha* 

Ein anderer Therapeut will wissen, dass Heilung nur möglich ist, wenn du dich mit deinen "Dämonen", deinen "blind spots" auseinandersetzt. 

Und mit großer Wahrscheinlichkeit bist du ein Missbrauchsopfer... Haste nur verdrängt... in dein Unterbewusstsein oder sonstwo hin. Alleine kommste da nich ran... Du musst dir deine "Themen" schon anschauen!

Der Atemtherapeut findet heraus, dass du einfach nur völlig falsch atmest. Zu wenig, zu flach... was auch immer... Jedenfalls öffnet das der Krankheit quasi Tür und Tor. 

Der Ernährungsberater weiß natürlich genau, woran´s liegt. Er findet natürlich heraus, dass du dich völlig falsch ernährst. Auf deinem Speiseplan müsste mehr Gemüse stehen, weniger Fleisch oder umgekehrt. Oder vegetarisch ernähren, oder vegan, oder Paleo... Heilfasten... Waaas?! ... Ich ess, worauf ich Hunger hab. Fertig. 

Und endlos so weiter. Ich will dir weitere Beispiele ersparen. Ich kann hinter alle Vorschläge einen "Erledigt-Haken" setzen. Die Luft is raus! 

Und Ärzte frag ich schon lang nix mehr. Egal welche Fachrichtung. 


Ach ja: Bewegung! Viel Bewegung! Die "richtige" natürlich! 

Bärbel Mohr (wenn sie noch am Leben wäre), würde vermutlich andeuten, dass du deine Bestellung ans Universum nicht klar genug formuliert hast. Mit dem Parkplatz hat´s vielleicht noch geklappt, aber das war´s dann auch.

Und im Advaita findest du sowieso niemanden, der eine Krankheit haben könnte. 

Ach, du hast auch eine Krankheit? Na dann vergiss vor allem nicht, das Geschenk darin zu finden! 
Du hast noch einen Vorschlag? 

Nein danke, lass mal stecken!

Man reiche mir lieber ein Taschentuch! 

Na immerhin verfüge ich inzwischen über einen unfassbaren Erfahrungsschatz an Therapiearten. Schade, dass es keinen Schein für sowas gibt. Den würde ich mit links kriegen. "Therapy-Diversity" oder so. 


© Text und Bild: Petra Illenseer



Sonntag, 29. Juli 2018

Aufwind im Abgrund?

Nein, nein, ich will dich jetzt nicht schon wieder volljammern. Ich will mich auch nicht öffentlich beklagen, aber ich muss das hier schreiben, gerne auch mal öffentlich. Einfach damit es mal raus ist und weil ich es nicht dauernd wiederholen will und es leid bin, irgendeine Fassade aufrecht zu erhalten. Und ich kann gerade gar nicht so viel schreiben, wie ich gerne los werden würde.
Wenn ich ein Promi wäre, hätte ich vermutlich ganz schön viele Follower und alle wären "bestürzt" und würden mich ganz fürchterlich bedauern und so. Da ich aber keiner bin... Naja...

Egal. Darum geht es nicht. Ich wollt nur nochmal sagen, dass die Therapeuten mich in den letzten Jahren dazu brachten, mein Innerstes nach Außen zu stülpen, die Psyche wurde sozusagen auf links gedreht, nochmal durchgekaut und ausgespuckt... usw... usf...  Die Psychologen betrachten es quasi als ihren Ritterschlag, wenn du an den Punkt kommst, an dem du, in Tränen aufgelöst in den klaffenden Abgrund deiner verkorksten Kindheitserinnerungen springst. Okay. Ich hab das gemacht. Nicht nur einmal. Immer wieder, wie ein Adrenalinjunkie... Ab in den Abgrund... Und immer schön rein, in die alten Wunden, den Schorf nochmal runterreißen und nochmal bluten... und wieder und wieder...
Bis du kapitulierst. Und wenn das Leben noch ein klein wenig gnädig mit dir ist, lässt es dich erkennen, dass alte Wunden nicht heilen können, wenn du immer und immer wieder Salz rein streust.
Einmal hat ein Psychologe zu mir gesagt, dass es Dinge gibt, die zu schmerzhaft sind, um darüber zu sprechen. Und dann sollte man das auch nicht tun. Warum wird das nicht einfach respektiert? Eher wird dir  alles Mögliche vorgeworfen. Fehlende Bereitschaft am Heilungsprozess usw... Und so Fragen wie: WOLLEN Sie denn überhaupt gesund werden?
LEUTE!!!
Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich da kotzen könnte! 


In Kliniken triffst du auf Psychotherapeuten, die angesichts der Fülle der Patienten meist so überfordert sind, dass sie all die vielen tragischen Lebensgeschichten, die ihnen täglich auf Anfrage aufgetischt werden, durcheinander zu würfeln beginnen und eigentlich selbst reif für eine Therapie wären.
Und Gruppentherapiesitzungen: DAS LETZTE!!! 

Die Therapeuten sehen es als Erfolg an, wenn du heulst und jede neue Baustelle, die sich irgendwo auftut ist quasi ein Fortschritt!

NEIN!!!

Ist es NICHT!!!

Es ist ein weiterer Schritt ins Verderben! Ein weiterer Schritt in die Abhängigkeit zum Therapeuten. Oder zu irgendeinem Scheiß-Antidepressivum, das natürlich völlig harmlos ist und dir HELFEN soll, diese beschissene Lebenssituation ertragen zu können!

Nein, nein und nochmals NEIN!

Es ist kein Zeichen von psychischer Gesundheit, wenn man in einer zutiefst kranken Gesellschaft Antidepressiva schluckt, um diese "ertragen" zu können.

Sorry, falscher Ansatz! 


© Text und Bild: Petra Illenseer