Dienstag, 10. April 2018

Offener Brief an die Sozialgesetzgebung

Vor einigen Tagen erhielt ich zum wiederholten Male ein Schreiben von meiner Krankenkasse, dass sie meine Krankengeldzahlung einstellen, da die Höchstbezugsdauer bereits voriges Jahr, am 7. Februar 2017 erreicht war.
Vielen Dank für den Hinweis. Ich bekam die Auswirkungen bereits deutlich zu spüren und nicht erst heuer.

Wie bedauerlich, dass ich mit Anfang 50 chronisch erkrankte und nicht in der vorgeschriebenen Zeit wieder gesund wurde, um mir eine neue Arbeit zu suchen. Meinen Job musste ich bereits Ende 2015 aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Es gab zu diesem Zeitpunkt für mich nur zwei Optionen:
Suizid oder Kündigung.
Wenn ich mir unsere Sozialgesetzgebung näher betrachte, wäre Option 1 wohl die Bessere gewesen. Das fiele dann unter die Rubrik „sozialverträgliches Ableben“ und hätte mir all den zermürbenden und entwürdigenden Behördenkram erspart. Darüber hinaus wäre ich in der Statistik der Agentur für Arbeit gar nicht erst aufgetaucht.

Nachdem sich mein Gesundheitszustand trotz aller Bemühungen einfach nicht bessern wollte und die Krankenkasse allmählich kalte Füße bekam, wegen der endenden Mindestbezugsdauer der Krankengeldzahlung, wurde mir eine sogenannte REHA-Maßnahme aufgenötigt. 5 Wochen wurden mir genehmigt. In der Psychosomatischen Abteilung der HESCURO-Klinik-Regina in Bad Kissingen. Nach 2 Wochen wurde ich unsanft hinausgeworfen, da sich meine Gesundheit während des Aufenthaltes eher verschlechterte. Über den unsäglichen Rauswurf, berichtete ich bereits online kurz auf https://www.klinikbewertungen.de/klinik-forum/erfahrung-mit-recuro-bad-kissingen?bew_order=2&fac_id=#tabs (Titel: "Rehageschädigt", Username: Grace7)
 
Nach einiger Zeit erhielt ich einen fehlerhaften Entlassungsbericht, den ich mehrfach reklamieren musste. Bis heute wurden nicht wirklich alle Fehler korrigiert, aber ich hab´s irgendwann aufgegeben.
Ein Arzt, der mich gerade mal 5 Minuten gesehen hat und mich ansonsten nur aufgrund der Aktenlage beurteilen konnte, fällte also das Urteil, dass ich gefälligst 6 Stunden pro Tag erwerbsfähig zu sein habe.
Diese REHA-Maßnahme zerstörte mich erst so richtig, so dass ich mich im Oktober 2017 dazu gewungen sah, einen Antrag auf Erwerbsminderungsrente zu stellen. Dieser wurde – oh Überraschung – nach Begutachtung (Untersuchung) einer weiteren Ärztin (die mich immerhin ca. 60 Minuten lang gesehen hat), ABGELEHNT! Gegen diesen Bescheid werde ich natürlich Widerspruch einlegen. 

Nach einigen Recherchen fand ich heraus, dass sich diese DRV-Ärzte offenbar nicht mal mehr die Mühe machen, sich wirklich eingehend mit dem Patienten zu befassen, es wird sozusagen pauschal entschieden, dass der Patient bzw. Antragssteller gefälligst mindestens 6 Stunden täglich erwerbsfähig zu sein habe und wenn er auf allen Vieren dort hin kriechen muss.
Und das völlig unangemessene Vorgehen der Reha-Klinik-Ärzte wurde offenbar komplett unter den Teppich gekehrt. Niemand von der DRV hielt es offenbar auch nur ansatzweise für erforderlich, sich dazu zu äußern oder mich in irgendeiner Weise zu entschädigen. Es kam ja nicht mal der Hauch eines Bedauerns. Eher wurde sogar noch nachgetreten.

Demnächst wird mir die Agentur für Arbeit vermutlich damit drohen, dass mir keine Leistungen mehr zustehen.
Und was ich bis vor Kurzem auch noch nicht wusste:
Wenn man GAR KEINE Leistungen mehr bekommt und per Aufhebungsbescheid quasi aus der Statistik gekickt wird, erhält man bald darauf eine Zahlungsaufforderung der Krankenkasse weil man sich pflicht-zu-versichern hat.
D.h. im Klartext, dass man zwar kein Einkommen mehr hat, aber dennoch Krankenkassenbeiträge zahlen soll (muss!).

Grandios, liebe Sozialgesetzgebung, ich muss schon sagen!

Mut zur Lücke, oder wie? 
Und die Angestellten in den Behörden beten einem irgendwelche Paragraphen vor, an die sie selbst nicht mehr glauben.

Man wird also quasi zum Mehrfachopfer der herrschenden Verhältnisse gemacht. Eine angemessene Sicherung des Lebensunterhaltes ist nicht mehr gewährleistet.

Dieses vielgepriesene „soziale Netz“ funktioniert recht gut, so lange man in der „vorgesehenen Zeit“ wieder gesund und munter wird. Ist dies jedoch nicht der Fall, sieht es düster aus.

Und JA, mir ist vollkommen klar, dass da ein gewisser Zynismus und auch eine gewisse Verbitterung aus diesen Zeilen trieft, aber Freundlichkeit, Verständnis und Entgegenkommen haben mich leider auch nicht wirklich weiter gebracht.
Und am Ende stellt sich mir die Frage:
WAS SOLL ICH MIR EIGENTLICH NOCH ALLES GEFALLEN LASSEN?!?!


Einziger Trost: KEINER kommt lebend hier raus! :)

PS: Anstelle von Kranz- und Blumenspenden bitte ich um einen konstruktiven Beitrag.  :-)

Danke. 


© Text und Bild: Petra Illenseer