Montag, 22. Oktober 2012

Sanft einbetoniert

Jetzt hab ich mir vor ein paar Monaten so eine High-Tech-Matratzenauflage aus viskoelastischem Schaumstoff zugelegt. Wahrscheinlich wieder irgend so ein Abfallprodukt aus der Raumforschung oder so. Nachdem ich sie im Bett "installiert" hatte, war ich erstmal recht zufrieden mit dem Gefühl, wie auf einer Wolke zu liegen.
Allerdings wurde ich in meiner Euphorie gleich etwas ausgebremst, da
das Ding anfangs erstmal etwas streng roch. Es hieß, der Geruch würde mit der Zeit nachlassen und irgendwann ganz aufhören. Wenn ich nachts wach wurde, war ich zunächst irritiert über diesen Fremdgeruch in meinem Schlafgemach, weil wenn hier einer Gerüche produziert, dann bin ICH das! ;-) 
Gut, nach ein paar Tagen der exzessiven Schlafraumdurchlüftung und durch das tagsüber-weglassen-der-Bettdecke ließ der Geruch tatsächlich nach. 

Geruch hin, Geruch her, diese Matratzenauflage wurde als so glorreich angepriesen, dass ich ja praktisch gar nicht anders konnte, als mich rundum wohlzufühlen, alles andere wäre ja geradezu verwerflich gewesen! Gesunder, schulter- nacken- ja überhaupt rückenfreundlicher, erholsamer Schlaf wird da versprochen. Angeblich passt sich das Material exakt deiner Körperform an und du liegst quasi wie in Abrahams Schoß, willst praktisch nie mehr raus aus dem Bett. Ja nun... 
Angeblich würde man vor lauter Behaglichkeit so ruhig schlafen, dass dieses nächtliche Umlagerungs-hin-und-her-gewälze praktisch ausfällt. Na dann... 

Jetzt hab ich das Ding ein paar Monate im Gebrauch und es will und will sich einfach keine Glückseligkeit einstellen. Irgendwas passt nicht. Ich hatte am Ende sogar das Gefühl, dass eine Umlagerungsaktion im Bett sozusagen gar nicht mehr möglich ist, selbst wenn man es MÖCHTE! ;-) Es kam mir fast so vor, als ob sich der Schaumstoff so an den Körper anpasste, dass man quasi wie in einer Gussform lag, sobald man sich länger nicht bewegte. Sozusagen "sanft einbetoniert". Daher also die reduzierten "Umlagerungs-Aktionen" -man wälzt sich im Bett nicht mehr hin und her weil man es ganz einfach nicht mehr KANN! ;-) 

Aber ich gab der Matratzenauflage noch eine, ja sogar mehrere Chancen, sich zu bewähren. Aber es nützte alles nix. Vor ein paar Tagen nun, als ich nachts wieder kaum in der Lage war, mich von links nach rechts zu drehen, es aber WOLLTE, bekam ich einen klassischen "so-jetzt-reicht´s-Anfall" und beschloss, dieses Ding aus meinem Bett zu befördern. Das Licht machte ich gar nicht erst an, denn ich wollte gar nicht so richtig wach werden. Das Teil wehrte sich aber. Es wollte nicht kampflos aufgeben, als ich im Dunkel der Nacht versuchte, es unter dem Spannbettlaken herauszuziehen. Bei dem Geruckel und Gezerre verschob sich das ganze Bett, was ein unschönes Geräusch auf dem Laminat erzeugte. Egal. Ich zog weiter und als ich das widerspenstige Teil endlich heraußen hatte, schaffte ich es irgendwie nicht, dem Ungetüm Herr zu werden. Als ich es zusammenrollen wollte, um es einstweilen unter´s Bett zu verfrachten, flappte es wieder auseinander und stieß dabei mit großem Gepolter die Bodenvase um. Meine Güte, was für ein Getöse. Ich hoffe, meine Nachbarn haben einen guten Schlaf und von dieser nächtlichen Ruhestörung nichts mitbekommen. Jetzt liegt das Schaumstoffteil im Keller und da wird es vermutlich auch bleiben. Schade eigentlich.


© Text von Petra Illenseer

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